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» AE Methodenlehre » Fakultät für Psychologie

BIP-6F

Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung - 6 Faktoren

  Entstehung und derzeitiger Stand

Das BIP-6F ist ein Fragebogen, mit dem sechs berufsbezogene Aspekte der Persönlichkeit effizient und systematisch erfasst werden.

Das BIP-6F ist entstanden aus empirischen Analysen des BIPs (Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung), die das Projektteam Testentwicklung zu diesem Zweck seit 2001 an der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Rüdiger Hossiep durchführt.

Das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung ist ebenfalls vom Projektteam Testentwicklung entwickelt und 1998 (2. Aufl. 2003) beim Hogrefe-Verlag, Göttingen, veröffentlicht worden. Ausgangspunkt der Konstruktion war die Tatsache, dass die Passung von Persönlichkeit und Tätigkeit gerade im Fach- und Führungskräftebereich eine zunehmend größere Rolle spielt, in Deutschland aber kaum geeignete Instrumente zur Unterstützung von Laufbahnempfehlungen, Beratungsgesprächen und Platzierungsentscheidungen zur Verfügung stehen. Aufgrund seiner berufsbezogenen Ausrichtung und wissenschaftlichen Fundierung wird das BIP von Anwendern wie Teilnehmern geschätzt und ist im deutschsprachigen Raum derzeit das führende Verfahren.

Anhand mehrerer Faktorenanalysen der verschiedenen Forschungsversionen des BIPs konnten sechs sogenannten Faktoren ermittelt werden. Diese Faktoren sind so konstruiert, dass sie die in den Items des BIPs enthaltenen Informationen so effizient wie möglich zusammenfassen. Basis dieser Analysen sind die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der mehr als 10.000 bisherigen Teilnehmer des BIPs bezüglich ihrer dort erfassten Persönlichkeitseigenschaften. Die folgende Abbildung visualisiert noch einmal den Konstruktionsprozess des BIP-6F.

 

Die resultierenden sechs Faktoren bilden nun die sechs Skalen des BIP-6Fs. Im Vergleich zu den 14 Persönlichkeitseigenschaften, die das BIP abbildet (bzw. 17 in der aktuellen Forschungsversion), liegen die 6 Skalen des BIP-6Fs somit auf einer höheren Abstraktionsebene. Mittels weiterer Analysen wurden diejenigen 48 Items aus den Forschungsversionen des BIPs selektiert, die am besten geeignet sind, die sechs Skalen des BIP-6Fs zu erfassen. Zusätzlich wurden 12 neue Forschungsitems entwickelt, so dass die derzeitige Forschungsversion des BIP-6F aus 60 Items besteht.

In der Praxis bedeutet dies: Die Faktoren des BIP-6F fassen die in den BIP-Items enthaltenen Informationen sehr übergreifend zusammen, die Auflösung der Betrachtung ist dadurch beim BIP-6F zwangsläufig gröber. Miteinander verwandte Merkmale wie etwa Führungsmotivation und Durchsetzungsstärke werden im BIP separat erfasst, während sie im BIP-6F auf einem Faktor, Dominanz, zusammenfallen. Die unterschiedlichen Blickwinkel der beiden Verfahren können anhand einer technischen Analogie aus der Fotografie veranschaulicht werden: Das BIP bildet hier als Tele-Objektiv die einzelnen Dimensionen mit hoher Genauigkeit ab und kann auch Unterschiede in der Ausprägung korrelierter Merkmale erfassen. Das BIP-6F fungiert hingegen eher als Weitwinkel-Objektiv und kann daher in der Individualdiagnostik helfen, Zusammenhänge zwischen den BIP-Skalen zu erkennen. Wie in der Fotografie bietet es sich auch bei der Erfassung von Persönlichkeitseigenschaften an, je nach konkreter Fragestellungen, eher das eine oder eher das andere Verfahren – oder wenn beide Blickwinkel im Sinne einer übergreifenden Betrachtung kombiniert werden sollen, beide Instrumente einzusetzen.

 

 

 
Letzte Änderung: 01.09.2010